Psychologie, Neurowissenschaften, Psychotherapie
+ Philosophie

Die Integration von Neurowissenschaften, Psychologie und Psychotherapie gilt zu Recht als zukunftsweisend, da sie biologische, psychologische und klinisch-praktische Perspektiven auf menschliches Erleben und Verhalten miteinander verbindet. Diese Integration ist besonders wirksam bei der Erklärung und Behandlung individueller psychischer Prozesse und Störungen. Dennoch stößt dieser Verbund dort an Grenzen, wo gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische und kulturelle Konflikte, kollektive Krisen oder normative Orientierungsprobleme im Vordergrund stehen.

Viele dieser Herausforderungen betreffen nicht primär neuronale Mechanismen oder individuelle Psychopathologie, sondern Fragen nach Sinn, Verantwortung, Gerechtigkeit, Freiheit oder dem guten Leben.
Solche Fragen lassen sich empirisch beschreiben oder therapeutisch begleiten, sie können jedoch nicht vollständig durch naturwissenschaftliche oder klinische Methoden gelöst werden, da sie eine normative (werturteilende) und reflexive (über sich selbst nachdenkende) Dimension besitzen.

Hier kommt die Philosophie als unverzichtbare Ergänzung ins Spiel. Sie bietet einen meta-theoretischen Rahmen (eine Theorie, die sich mit anderen Theorien beschäftigt), der hilft, Grundannahmen, Werte und Zielvorstellungen explizit zu machen und kritisch zu reflektieren.